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B2B-Marketing in der Schweiz, eine Strategie, die zu Ihrem KMU passt

Die meisten Ratgeber zum B2B-Marketing sind für grosse Software-Firmen geschrieben, mit Marketingteams, Budgets für Automatisierung und Märkten mit Zehntausenden Zielkunden. Ein Schweizer KMU hat oft wenige hundert passende Firmen im Markt, einen Inhaber, der selbst verkauft, und Kunden, die vor allem über Empfehlungen kommen. Diese Seite zeigt, wie B2B-Marketing unter diesen Bedingungen funktioniert.

Kurz erklärtB2B-Marketing heisst, bei Firmen Nachfrage für Ihr Angebot zu schaffen und vorhandene Nachfrage aufzufangen. Anders als im Konsumgeschäft entscheiden mehrere Personen, die Aufträge sind grösser, die Wege länger und Vertrauen zählt mehr als ein Rabatt. Für ein Schweizer KMU beginnt eine gute Strategie bei einem klar beschriebenen Wunschkunden und einer Botschaft, die sein Problem trifft. Danach folgen wenige Kanäle, die zu Kaufphase und Auftragswert passen, und eine Messung bis zum Umsatz.
Konstantin Malt, Gründer von Malt Consulting
Konstantin MaltGründer Malt Consulting, BWL HSG, über 120 Projekte mit Schweizer KMU seit 2023. Stand 27. Oktober 2026.
Grundlagen

B2B und B2C im Vergleich

ThemaB2CB2B
Wer entscheidetMeist eine PersonMehrere Personen, etwa Geschäftsleitung, Fachabteilung und Einkauf
AuftragswertOft tief, viele KäufeOft hoch, wenige Aufträge
Dauer bis zum KaufMinuten bis WochenWochen bis Monate, bei Investitionen länger
Was überzeugtPreis, Marke, ErlebnisFachkompetenz, Referenzen, Risiko, Wirtschaftlichkeit
Zahl möglicher KundenSehr grossOft überschaubar, teils namentlich bekannt
Rolle des VertriebsKlein oder gar keinerZentral, Marketing bereitet Gespräche vor

Eine hilfreiche Faustregel stammt von John Dawes vom Ehrenberg-Bass Institute. Zu einem bestimmten Zeitpunkt ist nur ein kleiner Teil der Firmen im Markt für eine bestimmte Leistung, etwa weil sie den Anbieter nur alle paar Jahre wechseln. Dawes nennt das die 95:5-Regel und betont selbst, dass die Zahlen nicht wörtlich zu nehmen sind. Die Folge für Ihr Marketing ist klar. Sie müssen bekannt sein, bevor der Bedarf entsteht, und schnell da sein, wenn er entsteht.

Schweiz

Was im Schweizer B2B-Markt anders ist

  • Kleine, überschaubare Märkte. In vielen Branchen gibt es in der Deutschschweiz nur einige hundert passende Firmen. Das spricht dafür, Wunschkunden namentlich zu kennen und gezielt zu bearbeiten, statt breit zu streuen. Mehr dazu unter Account Based Marketing.
  • Mehrere Sprachen. Wer auch in der Romandie oder im Tessin verkauft, braucht eigene Texte, nicht nur Übersetzungen, und Ansprechpersonen in der Sprache des Kunden.
  • Empfehlungen und Netzwerke. Verbände, Fachmessen und persönliche Kontakte haben grosses Gewicht. Online-Marketing ersetzt sie nicht, sondern sorgt dafür, dass Sie bei der Prüfung nach einer Empfehlung überzeugen.
  • Strenge Regeln für E-Mail-Werbung. Massenwerbung per E-Mail braucht grundsätzlich eine Einwilligung (UWG). Persönliche, einzeln begründete Ansprache ist anders zu beurteilen. Siehe Cold E-Mail in der Schweiz.
  • Öffentliche Daten als Anlass. Handelsregister, Medienmitteilungen, Stelleninserate und Ausschreibungen auf simap.ch zeigen, wann bei einer Firma etwas passiert. Das ist die Grundlage für Signal-based Outreach.
  • Website als Prüfstein. Wer empfohlen wird, wird danach gegoogelt. Eine veraltete oder unklare Website kostet dann Aufträge, die eigentlich schon fast gewonnen waren.
Strategie

Eine B2B-Marketing-Strategie in sechs Schritten

  1. 01

    Wunschkunden und Einkaufsgremium beschreiben

    Branche, Grösse, Region und die Personen, die entscheiden. Abgeleitet aus Ihren besten bestehenden Kunden. Siehe Ideal Customer Profile.

  2. 02

    Botschaft in den Worten der Kunden

    Welches Problem löst Ihr Angebot, und wie beschreiben Ihre Kunden dieses Problem selbst? Die besten Formulierungen stammen aus echten Verkaufsgesprächen, nicht aus der Broschüre.

  3. 03

    Website als Verkaufsinstrument

    Klare Leistungsseiten, Referenzen, Antworten auf die Fragen, die Interessenten im Gespräch stellen, und ein einfacher Weg zur Anfrage. Siehe Website-Relaunch.

  4. 04

    Vorhandene Nachfrage auffangen

    Gefunden werden, wenn Firmen aktiv suchen, bei Google, in KI-Antworten und mit gezielten Anzeigen. Siehe SEO für KMU und GEO SEO.

  5. 05

    Neue Nachfrage erzeugen

    Bei Firmen bekannt werden, die noch nicht suchen, über LinkedIn, Fachbeiträge, Veranstaltungen und persönliche Ansprache mit Anlass.

  6. 06

    Bis zum Umsatz messen

    Jede Anfrage und jeder Kontakt mit Quelle im CRM, damit Sie wissen, welcher Kanal Aufträge bringt. Siehe CRM für KMU.

Kanäle

B2B-Kanäle im Vergleich

KanalAufgabePasst, wennMehr dazu
SEO und KI-SucheNachfrage auffangenIhre Kunden nach Lösungen oder Anbietern suchenSEO für KMU
Google AdsNachfrage auffangenEs gibt Suchanfragen mit Kaufabsicht und der Auftragswert trägt die KlickpreiseGoogle Ads Betreuung
LinkedIn organischBekanntheit und VertrauenInhaber oder Fachleute regelmässig über ihr Wissen schreiben könnenLinkedIn-Marketing
LinkedIn AdsNachfrage erzeugen bei genau definierten ZielgruppenSie Entscheider nach Funktion und Branche erreichen wollen und das Budget es erlaubtLinkedIn Ads
Persönliche Ansprache mit AnlassGespräche mit WunschkundenHoher Auftragswert und überschaubarer MarktSignal-based Outreach
Messen und VerbändeKontakte und VertrauenIhre Branche sich dort trifftVor- und Nachbereitung mit CRM
Newsletter an KundenWiederkauf und EmpfehlungenSie regelmässig Nützliches zu sagen habenNur mit Einwilligung oder an Bestandskunden

Ein KMU muss nicht alle Kanäle bespielen. Meist reichen zwei oder drei, einer zum Auffangen und einer oder zwei zum Erzeugen von Nachfrage, dafür konsequent über ein Jahr. Wie sich aktive und passive Kundengewinnung unterscheiden, erklärt Outbound-Marketing.

Kennzahlen

Woran Sie B2B-Marketing messen

  1. Qualifizierte Anfragen und Gespräche pro Monat und Kanal, nicht die Zahl der Formulareingänge.
  2. Kosten pro qualifiziertem Gespräch, inklusive interner Zeit.
  3. Pipeline-Wert, also der Wert der offenen Verkaufschancen, die aus dem Marketing stammen.
  4. Abschlussquote und Auftragswert nach Quelle.
  5. Dauer bis zum Abschluss, um realistisch zu planen.

Klicks, Follower und Öffnungsraten sind höchstens Frühindikatoren. Sie sagen wenig darüber, ob das Marketing Aufträge bringt.

Fiktives Rechenbeispiel für das Budget. Sie wollen im Jahr sechs neue Kunden. Aus vier qualifizierten Gesprächen wird ein Auftrag. Sie brauchen also rund 24 Gespräche. Ein Auftrag bringt CHF 30'000 Deckungsbeitrag. Wer pro Neukunde höchstens einen Viertel davon in die Gewinnung steckt, hat CHF 7'500 pro Kunde oder CHF 45'000 im Jahr für Marketing und Akquise zur Verfügung. Alle Werte sind angenommen und dienen nur der Veranschaulichung.
Unsere Sicht

Weniger Kanäle, mehr Zusammenhang

Bei vielen Schweizer B2B-KMU sehen wir dasselbe Muster. Einzelne Massnahmen laufen nebeneinander, etwas Google Ads, gelegentlich ein LinkedIn-Post, eine Website von vor acht Jahren, und niemand weiss, was davon Aufträge bringt. Das Problem ist selten der einzelne Kanal, sondern der fehlende Zusammenhang zwischen Wunschkunde, Botschaft, Website und Vertrieb.

Darum beginnen wir mit diesem Zusammenhang und wählen erst danach die Kanäle. Wie wir mit produzierenden Firmen arbeiten, steht unter Industrie und Produktion. Einen Überblick über alle Wege zu neuen Anfragen gibt B2B-Leadgenerierung.

Häufige Fragen

Fragen zum B2B-Marketing

Was kostet B2B-Marketing für ein KMU?

Es gibt keinen sinnvollen Pauschalbetrag. Rechnen Sie rückwärts vom Ziel, also wie viele Neukunden Sie brauchen, wie viele Gespräche dafür nötig sind und was ein Neukunde Ihnen einbringt. Daraus ergibt sich, was die Gewinnung kosten darf.

Agentur oder eigenes Marketing?

Viele KMU fahren gut mit einer Mischung. Strategie, Botschaft und Fachwissen kommen aus dem eigenen Haus, die Umsetzung in Spezialgebieten wie Anzeigen, Website oder Suchmaschinen von aussen. Wichtig ist eine Person intern, die Verantwortung trägt.

Wie lange dauert es, bis B2B-Marketing wirkt?

Anzeigen und persönliche Ansprache können in wenigen Wochen erste Gespräche bringen. Suchmaschinen, Inhalte und Bekanntheit brauchen meist viele Monate. Bis daraus Aufträge werden, kommt die Dauer Ihres Verkaufszyklus dazu.

Braucht ein B2B-KMU Content-Marketing?

Nicht im Sinne von möglichst vielen Blogartikeln. Sinnvoll sind wenige, sehr gute Inhalte, die Fragen beantworten, die Interessenten im Gespräch ohnehin stellen, etwa zu Kosten, Ablauf, Risiken und Vergleichen.

Funktioniert B2B-Marketing auch für Industrie und Handwerk?

Ja, mit anderen Schwerpunkten. In der Industrie zählen Fachkompetenz, Referenzen und die richtige Ansprache von Technik und Einkauf. Im Handwerk mit Firmenkunden sind lokale Sichtbarkeit, Bewertungen und schnelle Reaktion wichtiger.

Quellen

Quellen

  • John Dawes, Advertising Effectiveness and the 95:5 Rule, Ehrenberg-Bass Institute for Marketing Science, 2021, publiziert vom B2B Institute
  • Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), Art. 3 Abs. 1 lit. o, fedlex.admin.ch
  • Informationssystem für das öffentliche Beschaffungswesen der Schweiz, simap.ch

Welche Kanäle lohnen sich für Ihr KMU?

Im Erstgespräch schauen wir auf Ihre Wunschkunden, Ihren Auftragswert und Ihren heutigen Auftritt. Danach wissen Sie, welche zwei oder drei Hebel zuerst zählen.

Lieber direkt? +41 78 814 14 58 oder info@maltconsulting.ch

Stand: 27. Oktober 2026 · Malt Consulting, Winterthur