Ratgeber · Kundenakquise · B2B

Kundenakquise im B2B, ein Plan für Schweizer KMU

In vielen KMU passiert Kundenakquise dann, wenn die Auftragsbücher leer werden. Dann ist es meist zu spät, weil B2B-Kunden Wochen oder Monate bis zur Entscheidung brauchen. Diese Seite zeigt, wie Sie Kundenakquise als festen Ablauf aufbauen, welche Methoden es gibt, wie ein Wochenrhythmus aussieht und welche Vorlagen den Start erleichtern.

Kurz erklärtKundenakquise heisst, neue Kunden aktiv zu gewinnen, durch eigene Ansprache oder indem Sie dafür sorgen, dass Interessenten Sie finden. Im B2B funktioniert sie am zuverlässigsten als wiederkehrender Ablauf mit fünf Teilen. Wunschkunden festlegen, Anlass erkennen, persönlich ansprechen, nachfassen mit neuem Inhalt und jede Woche messen, was zu Gesprächen führt. Ein klarer Rhythmus schlägt die seltene grosse Aktion.
Konstantin Malt, Gründer von Malt Consulting
Konstantin MaltGründer Malt Consulting, BWL HSG, über 120 Projekte mit Schweizer KMU seit 2023. Stand 27. Oktober 2026.

Kundenakquise, Neukundenakquise, Kundengewinnung

Die Begriffe werden oft gleich verwendet. Kundenakquise und Neukundenakquise meinen in der Regel die aktive Seite, also das Ansprechen von Firmen, die noch nicht Kunde sind. Kundengewinnung ist breiter und umfasst auch passive Wege, bei denen Interessenten Sie über Google, eine Empfehlung oder eine Anzeige finden. Einen Vergleich aller Wege mit Kosten und Wirkungsdauer finden Sie im Ratgeber Neukundengewinnung für KMU. Diese Seite konzentriert sich darauf, wie Sie die aktive Akquise planen und durchhalten.

Methoden der Kundenakquise im Überblick

MethodeAktiv oder passivPasst gut, wennMehr dazu
TelefonAktivEntscheider erreichbar sind und ein klarer Anlass bestehtTelefonakquise
Persönliche E-MailAktivDie Nachricht einzeln geschrieben ist und einen Bezug zur Firma hatCold E-Mail Schweiz
LinkedInAktivIhre Zielpersonen dort aktiv sindSocial Selling
BriefAktivDie Zielgruppe klein ist und ein Brief auffälltKaltakquise Schweiz
Wunschkunden-ProgrammAktivNur wenige Dutzend Firmen infrage kommenAccount Based Marketing
EmpfehlungenAktiv angestossenSie zufriedene Kunden haben und gezielt fragenNeukundengewinnung
Google, Anzeigen, InhaltePassivIhre Kunden aktiv nach der Leistung suchenB2B-Leadgenerierung

Die meisten KMU brauchen nicht alle Methoden. Ein aktiver und ein passiver Weg, die zusammenpassen, reichen für den Anfang.

Der Akquise-Plan in sechs Schritten

  1. 01

    Die besten Kunden auswerten

    Welche fünf Kunden möchten Sie verdoppeln? Branche, Grösse, Region, wer entschieden hat und warum. Daraus entsteht Ihr Wunschkundenprofil.

  2. 02

    Eine Liste von 50 bis 100 Firmen

    Aus öffentlichen Quellen wie Handelsregister, Websites und Verbänden. Mit bestätigter Ansprechperson. Klein genug, um jede Firma ernst zu nehmen.

  3. 03

    Anlässe beobachten

    Neue Stellen, Wechsel in der Geschäftsleitung, neue Standorte, Projekte, Ausschreibungen. Wer zuerst die Firmen mit Anlass anspricht, führt bessere Gespräche. Mehr dazu unter Signal-based Outreach.

  4. 04

    Einen Einstieg mit Wert anbieten

    Eine kurze Einschätzung, ein Vergleich, eine Besichtigung. Etwas, das dem Kunden auch dann nützt, wenn er nicht kauft.

  5. 05

    Drei Kontakte mit je eigenem Grund

    Erstkontakt, ein Nachfassen mit neuer Information, ein letzter kurzer Kontakt mit einfachem Ausweg. Danach Pause, bis es einen neuen Anlass gibt. Vorlagen dazu auf der Seite Follow-up-E-Mail.

  6. 06

    Wöchentlich messen

    Kontakte, Gespräche, Termine, Offerten, Aufträge. Nach rund drei Monaten haben Sie genug Zahlen, um zu entscheiden, was Sie ausbauen.

Ein Wochenrhythmus für die Kundenakquise

Akquise scheitert in KMU selten am Wissen, sondern an der Zeit. Ein fester Block im Kalender hilft mehr als jedes Werkzeug. Der folgende Rhythmus ist ein Beispiel für einen Inhaber oder Verkaufsleiter mit wenigen Stunden pro Woche.

TagAufgabeZeit, Beispiel
MontagNeue Anlässe prüfen, fünf bis zehn Firmen für die Woche auswählen45 Minuten
DienstagErstkontakte per Telefon oder persönlicher Mail60 Minuten
MittwochAuf LinkedIn kommentieren, vernetzen, auf Antworten reagieren30 Minuten
DonnerstagNachfassen bei Kontakten der Vorwoche, mit neuem Inhalt45 Minuten
FreitagZahlen der Woche festhalten, Termine vorbereiten30 Minuten

Was ein Rechenbeispiel zeigt

Rechenbeispiel, fiktive Zahlen. Sie sprechen pro Woche acht passende Firmen an. In einem Quartal sind das rund 100 Firmen. Führen davon zehn zu einem Gespräch und zwei zu einem Auftrag, ist das Ergebnis klein, aber planbar. Entscheidend ist, ob der Wert dieser zwei Kunden die eingesetzte Zeit klar übersteigt. Diese Rechnung machen Sie mit Ihren eigenen Zahlen.

Vorlagen für die Kundenakquise

Die Vorlagen sind Gerüste für persönliche Nachrichten. Füllen Sie die Klammern pro Firma mit echten, geprüften Angaben.

Erstkontakt per E-Mail. «Guten Tag Herr [Name]. Ich habe gesehen, dass [Anlass mit Quelle]. Bei Firmen in einer ähnlichen Phase stellt sich oft die Frage, [mögliche Herausforderung]. Wir haben dazu [konkreter Einstieg] vorbereitet. Wäre das für Sie interessant? Wenn nicht, reicht ein kurzes Nein. Freundliche Grüsse, [Name, Firma, Telefon]»
Nachfassen mit neuem Inhalt. «Guten Tag Herr [Name]. Ergänzend zu meiner Nachricht von letzter Woche, [neue Beobachtung oder kurzer Hinweis, der ihm nützt]. Falls das Thema gerade nicht passt, ist das völlig in Ordnung. Freundliche Grüsse, [Name]»
Nach einem guten Gespräch. «Guten Tag Frau [Name]. Danke für das Gespräch. Wie besprochen halte ich fest, [zwei bis drei Punkte in ihren Worten]. Als nächsten Schritt hatten wir [Schritt] am [Datum] vereinbart. Freundliche Grüsse, [Name]»

Was bei der Kundenakquise rechtlich gilt

Für die Schweiz ist das Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) massgebend. E-Mail-Massenwerbung ohne vorherige Einwilligung ist nach Art. 3 Abs. 1 lit. o unlauter. Werbeanrufe an Nummern mit Stern im Telefonverzeichnis oder ohne Eintrag sind nach lit. u unlauter, sofern keine Geschäftsbeziehung besteht. Persönliche, einzeln geschriebene Nachrichten mit konkretem Anlass sind etwas anderes als Massenversand. Die Einzelheiten pro Kanal erklärt die Seite Kaltakquise in der Schweiz. Diese Hinweise ersetzen keine Rechtsberatung.

Fünf Fehler, die Akquise teuer machen

  • Nur akquirieren, wenn es brennt. Die Wirkung kommt Wochen später, also immer zu spät.
  • Zu viele Firmen auf einmal. Wer 500 Firmen gleichzeitig anspricht, kann keine davon gut vorbereiten.
  • Über sich statt über den Kunden reden. Der erste Kontakt handelt von seiner Lage, nicht von Ihrem Angebot.
  • Kein Nachfassen. Viele Antworten kommen erst auf den zweiten oder dritten Kontakt, sofern dieser etwas Neues bringt.
  • Nichts aufschreiben. Ohne Zahlen wissen Sie nach drei Monaten nicht, was funktioniert hat.
Häufige Fragen

Fragen zur Kundenakquise

Was ist Kundenakquise?

Kundenakquise ist das aktive Gewinnen neuer Kunden, etwa per Telefon, persönlicher E-Mail, LinkedIn oder Brief. Im weiteren Sinn gehören auch Wege dazu, über die Interessenten Sie selbst finden.

Welche Akquise-Methode ist im B2B die beste?

Es gibt keine beste Methode für alle. Bei wenigen grossen Zielkunden wirkt persönliche Ansprache mit Anlass oft am besten. Wenn Kunden aktiv nach Ihrer Leistung suchen, sind Google und Anzeigen stärker. Entscheidend ist, wo Ihre Wunschkunden erreichbar sind.

Wie viel Zeit braucht Kundenakquise pro Woche?

Das hängt von Zielgruppe und Kanal ab. Für den Anfang genügt oft ein fester Block von einigen Stunden pro Woche, wenn Liste und Anlässe vorbereitet sind. Wichtiger als die Menge ist die Regelmässigkeit.

Kann ich Kundenakquise auslagern?

Recherche, Listenaufbau, Kampagnen und das Vereinbaren von Terminen lassen sich auslagern. Das Gespräch mit dem Entscheider bleibt im B2B besser beim Unternehmen, weil dort das Vertrauen entsteht.

Brauche ich ein CRM für die Kundenakquise?

Für den Start genügt eine einfache Tabelle mit Firma, Anlass, Datum, Ergebnis und nächstem Schritt. Ab einigen hundert Kontakten oder mehreren Personen im Vertrieb lohnt sich ein CRM wie HubSpot.

Quellen

Belege auf dieser Seite

  • Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), Art. 3 Abs. 1 lit. o und u, fedlex.admin.ch
  • SECO, Unerbetene Werbeanrufe, seco.admin.ch
  • Wochenrhythmus und Rechenbeispiel sind Beispiele mit fiktiven Werten, keine Benchmarks

Wie sieht Ihre Akquise in einem normalen Monat aus?

Wenn die ehrliche Antwort «unregelmässig» lautet, besprechen wir im Erstgespräch, wie ein Rhythmus aussehen kann, der zu Ihrer Zeit und Ihren Wunschkunden passt.

Lieber direkt? +41 78 814 14 58 oder info@maltconsulting.ch

Stand: 27. Oktober 2026 · Malt Consulting, Winterthur