Ratgeber · Telefonakquise · Cold Calling

Telefonakquise im B2B, der Leitfaden für Cold Calling in der Schweiz

Telefonakquise ist der direkteste Weg zu einem Gespräch mit einem Entscheider. Sie ist auch der Kanal, bei dem schlechte Vorbereitung am schnellsten auffällt. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie Anrufe vorbereiten, wie ein Gespräch aufgebaut ist, wie Sie mit Vorzimmer und Einwänden umgehen und was in der Schweiz rechtlich gilt.

Kurz erklärtTelefonakquise, auf Englisch Cold Calling, ist der telefonische Erstkontakt mit Firmen, die Sie noch nicht kennen. In der Schweiz ist sie erlaubt, wenn die Nummer im Telefonverzeichnis eingetragen ist und keinen Stern trägt, und wenn Sie mit einer eingetragenen eigenen Nummer anrufen (UWG Art. 3 Abs. 1 lit. u und v). Ein guter Anruf hat einen konkreten Anlass, dauert im Einstieg unter einer Minute und endet mit einem klaren nächsten Schritt oder einem respektierten Nein.
Konstantin Malt, Gründer von Malt Consulting
Konstantin MaltGründer Malt Consulting, BWL HSG, über 120 Projekte mit Schweizer KMU seit 2023. Stand 27. Oktober 2026.

Was bei der Telefonakquise in der Schweiz gilt

Viele Ratgeber im Netz stammen aus Deutschland, wo Werbeanrufe bei Firmen eine mutmassliche Einwilligung voraussetzen. In der Schweiz ist die Lage eine andere. Laut SECO sind Werbeanrufe grundsätzlich erlaubt, es gelten aber klare Regeln. Die Übersicht ist eine Zusammenfassung und keine Rechtsberatung.

RegelWas das für Ihre Anrufe heisstGrundlage
Sterneintrag beachtenKeine Werbeanrufe an Nummern mit Stern, ausser es besteht eine Geschäftsbeziehung.UWG Art. 3 Abs. 1 lit. u
Nicht eingetragene NummernGelten seit 1. Januar 2021 wie Nummern mit Stern. Eine Nummer von der Website ist deshalb vor dem Anruf im Verzeichnis zu prüfen.UWG Art. 3 Abs. 1 lit. u
Eigene Nummer anzeigenSie rufen mit einer Nummer an, die im Verzeichnis eingetragen ist und Ihnen gehört. Keine unterdrückte Nummer.UWG Art. 3 Abs. 1 lit. v
Keine Daten aus VerstössenInformationen, die aus einem unzulässigen Anruf stammen, dürfen nicht weiterverwendet werden.UWG Art. 3 Abs. 1 lit. w
Ein Mensch sprichtLaut SECO darf Telefonwerbung nicht vollständig automatisiert sein. Nach dem Verbindungsaufbau muss eine Person sprechen.SECO, Merkblatt Werbeanrufe
Kein DruckBesonders aggressive Verkaufsmethoden sind unlauter.UWG Art. 3 Abs. 1 lit. h

Der Gesetzestext unterscheidet nicht zwischen privaten und geschäftlichen Anschlüssen. Auch bei B2B-Anrufen lohnt sich deshalb die Prüfung jeder Nummer. Wer ausdrücklich keine weiteren Anrufe will, wird sofort gesperrt. Was für E-Mails nach einem Anruf gilt, steht auf der Seite Cold E-Mail in der Schweiz, alle Kanäle im Überblick unter Kaltakquise in der Schweiz.

Telefonakquise vorbereiten, in fünf Schritten

  1. 01

    Ziel des Anrufs festlegen

    Im B2B ist das Ziel des ersten Anrufs fast nie der Abschluss, sondern ein Termin oder die Erlaubnis, etwas Konkretes zu schicken. Wer das vorher weiss, redet kürzer.

  2. 02

    Firmen nach Passung und Anlass wählen

    Branche und Grösse aus Ihren besten Kunden ableiten. Dazu ein Anlass mit Quelle, etwa eine offene Stelle, ein neuer Standort oder ein Eintrag im Handelsamtsblatt. Das Prinzip erklärt Signal-based Outreach.

  3. 03

    Ansprechperson bestätigen

    Name und Funktion auf der Website oder im Handelsregister prüfen. Datenbanken sind oft veraltet, und ein falscher Name kostet im ersten Satz Glaubwürdigkeit.

  4. 04

    Nummer im Verzeichnis prüfen

    Eingetragen und ohne Stern? Ergebnis und Datum im CRM festhalten.

  5. 05

    Zwei bis drei Vermutungen notieren

    Welche Herausforderung könnte der Anlass auslösen? Diese Vermutungen werden im Gespräch zu Fragen, nicht zu Behauptungen.

Der Gesprächsleitfaden für die Telefonakquise

Ein Leitfaden ist eine Landkarte, kein Skript zum Ablesen. Wer abliest, klingt so, und das Gegenüber erkennt es in wenigen Sekunden. Die folgenden Bausteine haben sich bewährt. Die eckigen Klammern füllen Sie pro Firma mit geprüften Angaben.

1. Einstieg mit Grund

Beispiel. «Guten Tag Frau [Name], [Ihr Name] von [Firma]. Ich rufe an, weil ich gesehen habe, dass [Anlass]. Ich weiss nicht, ob das bei Ihnen überhaupt ein Thema ist. Darf ich kurz sagen, worum es geht, und Sie entscheiden, ob wir weitersprechen?»

Die Frage «Haben Sie gerade einen Moment Zeit?» lädt zu einem schnellen Nein ein. Besser ist, den Grund sofort zu nennen und dem Gegenüber die Entscheidung zu lassen. Das senkt den Druck auf beiden Seiten.

2. Eine Frage statt eines Vortrags

Beispiel. «Bei Firmen, die gerade [Anlass], stellt sich oft die Frage, [mögliche Herausforderung]. Wie ist das bei Ihnen im Moment?»

3. Nachfragen

Die erste Antwort ist selten die ganze. Fragen wie «Wie meinen Sie das genau?», «Seit wann ist das so?» oder «Was haben Sie bisher dagegen gemacht?» bringen das eigentliche Thema hervor. Das Gegenüber soll deutlich mehr reden als Sie. Wie das im ausführlichen Gespräch weitergeht, zeigt die Seite Verkaufsgespräch führen.

4. Ein kleiner nächster Schritt

Beispiel. «Es klingt, als könnte es sich lohnen, das genauer anzuschauen. Wäre ein Gespräch von 20 Minuten nächste Woche sinnvoll, oder soll ich Ihnen zuerst [konkrete Unterlage] schicken?»

Passt es nicht, ist ein klares Nein ein gutes Ergebnis. Fragen Sie kurz, ob ein späterer Zeitpunkt sinnvoll wäre, und halten Sie die Antwort fest.

Vorzimmer und Zentrale

In vielen KMU nimmt die Zentrale oder das Sekretariat ab. Diese Person ist kein Hindernis, sondern oft die beste Informationsquelle. Behandeln Sie sie so, wie Sie den Entscheider behandeln würden.

  • Offen sagen, worum es geht. Wer ausweicht oder «persönlich» sagt, wirkt unseriös.
  • Um Hilfe bitten. «Wer ist bei Ihnen für [Thema] zuständig?» funktioniert besser als die Forderung, durchgestellt zu werden.
  • Den besten Zeitpunkt erfragen. Und dann genau dann wieder anrufen.
  • Name merken. Beim nächsten Anruf wiedererkennen zu können, schafft Vertrauen.

Häufige Einwände am Telefon

Ein Einwand ist meistens keine Absage, sondern eine Frage oder ein Schutz. Statt sofort zu widersprechen, hilft ein Dreischritt. Erst nachfragen, was genau gemeint ist. Dann ruhig darüber sprechen. Dann das Gegenüber fragen, wie es die Sache lösen würde. Ausführlicher dazu die Seite Einwandbehandlung.

EinwandMögliche Antwort
«Keine Zeit.»«Verstehe. Wann wäre ein besserer Moment für zwei Minuten, oder ist das Thema grundsätzlich nicht relevant?»
«Kein Interesse.»«Das ist in Ordnung. Darf ich fragen, ob das Thema bei Ihnen schon gelöst ist oder gerade einfach keine Priorität hat?»
«Schicken Sie mir etwas.»«Gerne. Damit es nicht in der Ablage landet, was genau wäre für Sie interessant?»
«Wir haben schon einen Anbieter.»«Gut so. Dann sollten Sie vermutlich auch nicht wechseln. Was müsste passieren, dass Sie sich eine zweite Meinung anhören würden?»
«Woher haben Sie meine Nummer?»Ehrlich und konkret antworten, etwa aus dem öffentlichen Telefonverzeichnis. Will die Person keine Anrufe, sofort sperren.

Kennzahlen für die Telefonakquise

Allgemeingültige Quoten gibt es nicht. Sie hängen von Branche, Liste, Anlass und Erfahrung ab. Messen Sie deshalb von Anfang an selbst, mit wenigen Zahlen pro Woche.

KennzahlWas sie zeigt
Wählversuche pro erreichtem EntscheiderQualität der Nummern und der Anrufzeiten
Gespräche pro erreichtem EntscheiderStärke des Einstiegs und des Anlasses
Termine pro GesprächPassung der Firmen und Klarheit des nächsten Schritts
Aufträge pro TerminQualität der Termine, nicht nur ihre Zahl
Rechenbeispiel, fiktive Zahlen. Aus 100 Wählversuchen erreichen Sie 20 Entscheider, führen 12 echte Gespräche und vereinbaren 3 Termine. Daraus entsteht ein Auftrag. Bringt dieser Auftrag deutlich mehr als die eingesetzte Zeit kostet, lohnt sich der Kanal. Wenn nicht, ändern Sie zuerst die Auswahl der Firmen und den Anlass, nicht nur den Einstiegssatz.
Häufige Fragen

Fragen zur Telefonakquise

Ist Telefonakquise im B2B in der Schweiz erlaubt?

Ja, wenn die Nummer im Telefonverzeichnis eingetragen ist, keinen Stern trägt und Sie mit einer eigenen, eingetragenen Nummer anrufen. Eine Einwilligung wie für E-Mail-Massenwerbung braucht es am Telefon nicht.

Was ist der Unterschied zwischen Telefonakquise und Cold Calling?

In der Praxis keiner. Cold Calling ist der englische Begriff für den telefonischen Erstkontakt ohne vorherige Beziehung. Telefonakquise kann zusätzlich Anrufe bei Interessenten umfassen, die bereits Kontakt hatten.

Darf ich mit unterdrückter Nummer anrufen?

Nein. Werbeanrufe ohne Anzeige einer im Verzeichnis eingetragenen Nummer, zu deren Nutzung Sie berechtigt sind, sind nach UWG Art. 3 Abs. 1 lit. v unlauter.

Darf ich KI-Telefonassistenten für die Akquise nutzen?

Laut SECO darf Telefonwerbung nicht vollständig automatisiert sein, nach dem Verbindungsaufbau muss eine Person sprechen. Vollautomatische Werbeanrufe sind deshalb keine Option. Für Vorbereitung und Notizen können Werkzeuge sinnvoll sein.

Soll ich die Telefonakquise auslagern?

Auslagern lässt sich die Recherche und das Vereinbaren von Terminen. Das eigentliche Gespräch mit dem Entscheider bleibt im B2B besser bei Ihnen, weil dort das Vertrauen entsteht. Prüfen Sie bei Anbietern, wie sie Sterneinträge abgleichen und Absagen sperren.

Wann ist die beste Zeit für Akquise-Anrufe?

Das hängt von der Branche ab. Handwerksbetriebe erreicht man oft früh am Morgen, Büroberufe eher am Vormittag. Messen Sie selbst, zu welchen Zeiten Sie Entscheider tatsächlich erreichen.

Quellen

Belege auf dieser Seite

  • Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), Art. 3 Abs. 1 lit. h, u, v und w, Fassung von lit. u bis w in Kraft seit 1. Januar 2021, fedlex.admin.ch
  • SECO, Merkblatt Unerbetene Werbeanrufe, seco.admin.ch
  • BAKOM, Wann ist der Massenversand erlaubt?, bakom.admin.ch
  • Rechenbeispiel mit fiktiven Zahlen, keine Benchmark

Wen sollten Sie diese Woche anrufen und warum?

Im Erstgespräch klären wir, welche Firmen zu Ihnen passen, welcher Anlass einen Anruf rechtfertigt und wie der Einstieg klingen kann, ohne nach Callcenter zu klingen.

Lieber direkt? +41 78 814 14 58 oder info@maltconsulting.ch

Stand: 27. Oktober 2026 · Malt Consulting, Winterthur