Aufträge für selbstständige Handwerker, sieben Wege im Vergleich
Die Wege im Überblick
| Weg | Stärke | Grenze | Kosten | Tempo |
|---|---|---|---|---|
| Empfehlungen und Stammkunden | Höchstes Vertrauen, kaum Preisdruck | Nicht planbar, wächst langsam | Gering | Langsam |
| Google-Unternehmensprofil | Erscheint bei Suchen in der Nähe auf der Karte | Entfernung zum Suchenden zählt stark | Gratis, Pflegeaufwand | Wochen |
| Eigene Website | Anfragen nur an Sie, wirkt langfristig | Braucht Aufbauzeit bis zu guten Positionen | Einmalig plus Pflege | Monate |
| Google Ads | Sofort sichtbar, gut steuerbar | Kostet laufend pro Klick | Werbebudget plus Betreuung | Tage |
| Offertenportale | Schnell Kontakte ohne eigene Sichtbarkeit | Mehrere Betriebe pro Auftrag, Preisdruck | Abo oder Kosten pro Kontakt | Tage |
| Partner und Subunternehmer | Grössere, regelmässige Aufträge | Abhängigkeit, oft tiefere Marge | Eigener Zeitaufwand | Wochen bis Monate |
| Öffentliche Ausschreibungen | Grosse Aufträge, transparente Regeln | Aufwendige Eingaben, oft Preiswettbewerb | Eigener Aufwand | Monate |
Die Einschätzungen zu Tempo und Kosten sind Erfahrungswerte und hängen stark von Region, Gewerk und Konkurrenz ab.
So holen Sie aus jedem Weg mehr heraus
Aus Empfehlungen Sichtbarkeit machen
Nach jedem guten Auftrag um eine Google-Bewertung bitten, am besten mit direktem Link per SMS. Ohne Gegenleistung, denn Rabatte oder Geschenke für Bewertungen verbieten die Richtlinien von Google. Dazu frühere Kunden für Wartung oder Folgearbeiten wieder anschreiben. Stammkunden sind die günstigste Quelle für neue Aufträge.
Vollständig pflegen
Richtige Hauptkategorie, alle Leistungen, echte Fotos von Baustellen, aktuelle Zeiten und das Einsatzgebiet. Laut Google zählen für das lokale Ranking Relevanz, Entfernung und Bekanntheit. Mehr dazu unter Google-Unternehmensprofil.
Eine Seite pro Leistung
Badsanierung, Heizungsersatz und Reparaturen sind verschiedene Suchen. Jede verdient eine eigene Seite mit Referenzfotos, Ablauf und Einsatzgebiet. Siehe Website für Handwerker.
Nur für die richtigen Suchen
Auf Leistungen mit hohem Auftragswert setzen, das Einsatzgebiet eng halten und Suchen von Selbermachern ausschliessen. Die Anzeige führt auf eine Seite, die genau diese Leistung zeigt. Was das kostet, steht unter Google Ads Kosten.
Gezielt einsetzen
Für Auslastungslücken und bestimmte Arbeiten, mit klarer Rechnung, was ein gewonnener Auftrag kostet. Preise und Bedingungen der zwei grossen Schweizer Portale vergleichen wir unter Renovero und Ofri.
Netzwerk mit anderen Gewerken
Generalunternehmer, Architekturbüros, Liegenschaftsverwaltungen und Betriebe anderer Gewerke vergeben laufend Arbeiten. Ein Sanitär braucht einen Plattenleger, ein Maler einen Gipser. Wer zuverlässig ist und Termine hält, wird wieder angefragt.
Öffentliche Aufträge über simap.ch
Bund, Kantone und Gemeinden publizieren ihre Ausschreibungen auf simap.ch, der gemeinsamen Plattform für das öffentliche Beschaffungswesen. Dort lassen sich Ausschreibungen nach Arbeitsgattung und Region durchsuchen und die Unterlagen herunterladen.
Wichtig für Handwerker sind die Schwellenwerte. Nach der interkantonalen Vereinbarung (IVöB) muss im Baunebengewerbe ab CHF 250'000 und im Bauhauptgewerbe ab CHF 500'000 im offenen oder selektiven Verfahren ausgeschrieben werden. Darunter dürfen Gemeinden und Kantone Betriebe direkt einladen, im Baunebengewerbe zwischen CHF 150'000 und 250'000, im Bauhauptgewerbe zwischen CHF 300'000 und 500'000. Noch kleinere Aufträge können freihändig vergeben werden. Die Werte gelten ohne Mehrwertsteuer und können kantonal leicht abweichen.
Für kleinere Betriebe heisst das. Die grossen Ausschreibungen auf simap.ch passen selten. Die vielen Aufträge unterhalb der Schwellen gehen an Betriebe, die die Bauverwaltung der Gemeinde kennt. Es lohnt sich deshalb, sich bei den Bauämtern der Region vorzustellen und für Einladungsverfahren vormerken zu lassen.
Als Subunternehmer selbstständig bleiben
Viele Einzelunternehmer im Handwerk arbeiten über längere Zeit für einen einzigen Generalunternehmer oder Betrieb. Das ist bequem, kann aber zum Problem werden. Ob jemand AHV-rechtlich als selbstständig gilt, beurteilt die Ausgleichskasse, und zwar für jedes Einkommen einzeln. Wer weisungsgebunden und ohne eigenes Unternehmerrisiko praktisch nur für einen Auftraggeber arbeitet, kann als unselbstständig eingestuft werden.
Mehrere Auftraggeber, eigene Offerten, eigenes Werkzeug und ein eigener Auftritt mit Website und Google-Profil sprechen für die Selbstständigkeit und machen Sie gleichzeitig unabhängiger. Für die konkrete Beurteilung ist Ihre Ausgleichskasse zuständig. Diese Hinweise ersetzen keine Beratung.
Die richtige Mischung nach Situation
| Situation | Zuerst | Parallel aufbauen |
|---|---|---|
| Frisch selbstständig, noch kaum Kunden | Netzwerk mit anderen Gewerken, Google-Unternehmensprofil, gezielt ein Portal | Einfache Website mit Leistungen und Fotos der ersten Aufträge |
| Etablierter Betrieb, Auftragslage schwankt | Stammkunden aktivieren, Bewertungen sammeln, Google Ads für Leistungen mit hohem Wert | Leistungsseiten auf der Website |
| Voll ausgelastet, aber mit zu kleinen Aufträgen | Website und Google-Sichtbarkeit für die Arbeiten, die Sie mehr wollen | Weniger Portal-Anfragen annehmen, gezielt Partner für grössere Projekte suchen |
| Grösserer Betrieb mit Erfahrung in Eingaben | simap.ch und Einladungsverfahren der Gemeinden | Referenzen mit Objekt, Umfang und Bauherrschaft auf der Website |
Was kostet ein gewonnener Auftrag?
Die wichtigste Zahl ist nicht der Preis pro Kontakt, sondern was Sie ein tatsächlich gewonnener Auftrag kostet. Ein Rechenbeispiel mit angenommenen Zahlen. Sie zahlen für einen Kanal CHF 200 pro Monat und erhalten zehn Kontakte. Davon offerieren Sie acht und gewinnen zwei. Ein Auftrag kostet Sie dann CHF 100 plus die Zeit für sechs Offerten, die nichts gebracht haben.
Wer diese Rechnung für jeden Weg einige Monate lang führt, sieht schnell, welcher sich lohnt. Notieren Sie bei jeder Anfrage, woher sie kam, und fragen Sie neue Kunden kurz, wie sie auf Sie gestossen sind. Eine Liste in einer Tabelle reicht dafür.
Vorsicht bei Vermittlern, die Aufträge versprechen und vorab eine Gebühr verlangen. Seriöse Portale legen ihre Preise und Bedingungen offen.
Kunden fragen inzwischen auch ChatGPT
Laut einer repräsentativen Comparis-Umfrage vom Frühling 2026 nutzen 76 Prozent der Menschen in der Schweiz KI-Chatbots. Wer einen Handwerker sucht, fragt deshalb zunehmend auch ChatGPT oder den KI-Modus von Google. In unserer Auswertung von 1'071 ChatGPT-Antworten stützten sich 17 Prozent auf local.ch oder search.ch, die meisten übrigen auf Websites der Anbieter selbst.
Für Handwerker heisst das. Vollständige Einträge auf local.ch und search.ch, ein gepflegtes Google-Profil und eine Website, die Leistungen und Region klar beschreibt. Mehr dazu in der Auswertung.
Fragen zu Aufträgen im Handwerk
Wie finde ich als selbstständiger Handwerker schnell Aufträge?
Am schnellsten über Offertenportale, Google Ads und das eigene Netzwerk mit anderen Gewerken. Am nachhaltigsten über Empfehlungen, ein gepflegtes Google-Profil und eine eigene Website. Die meisten Betriebe starten mit dem Schnellen und bauen das Nachhaltige parallel auf.
Lohnt sich localsearch für Handwerker?
Der Grundeintrag auf local.ch und search.ch ist kostenlos und wichtig. Ob sich ein kostenpflichtiges Paket lohnt, hängt vom Preis und den Leistungen ab. Wer kündigen will, findet die Regeln auf der Seite localsearch kündigen.
Wie bekomme ich grössere Aufträge?
Grössere Aufträge kommen selten über Portale. Sie entstehen über Vertrauen. Referenzen mit Fotos und Beschreibung, gute Bewertungen, eine Website, die Ihre Kompetenz für genau diese Arbeiten zeigt, und Kontakte zu Architekten, Verwaltungen und Generalunternehmern.
Ab welchem Betrag werden Bauaufträge öffentlich ausgeschrieben?
Nach der interkantonalen Vereinbarung (IVöB) im Baunebengewerbe ab CHF 250'000 und im Bauhauptgewerbe ab CHF 500'000, jeweils ohne Mehrwertsteuer. Darunter sind Einladungs- und freihändige Verfahren möglich. Kantonale Regeln können abweichen.
Darf ich Kunden für eine Google-Bewertung einen Rabatt geben?
Nein. Die Richtlinien von Google verbieten Bewertungen, die durch Zahlungen, Rabatte oder Gratisleistungen beeinflusst wurden. Erlaubt ist, Kunden nach einem Auftrag freundlich um eine ehrliche Bewertung zu bitten.
Belege auf dieser Seite
- Comparis, Medienmitteilung vom 2.4.2026 zur KI-Nutzung, comparis.ch
- Google Unternehmensprofil-Hilfe, lokales Ranking, support.google.com
- Google, Richtlinien für von Nutzern beigetragene Inhalte, Abschnitt Fake Engagement, support.google.com
- KMU-Portal des Bundes, simap.ch als Plattform für das öffentliche Beschaffungswesen, kmu.admin.ch
- Kanton Basel-Landschaft, Schwellenwerte IVöB für 2026 bis 2027 vom 19.12.2025, baselland.ch
- Informationsstelle AHV/IV, Merkblatt 2.02 Beiträge der Selbstständigerwerbenden, ahv-iv.ch
- Malt Consulting, Auswertung von 1'071 ChatGPT-Antworten, Oktober 2026
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