Ratgeber · SDR · Vertriebsaufbau

Sales Development Representative, selbst anstellen oder auslagern?

Ein Sales Development Representative, kurz SDR, sorgt dafür, dass Ihr Vertrieb mit den richtigen Firmen ins Gespräch kommt. Viele Schweizer KMU überlegen, eine solche Stelle zu schaffen oder die Aufgabe an einen Dienstleister zu geben. Beides kann funktionieren. Beides scheitert, wenn die Grundlagen fehlen. Hier steht, was die Rolle umfasst, was sie kostet und wie Sie entscheiden.

Kurz erklärtEin Sales Development Representative findet passende Firmen, nimmt Kontakt auf, klärt, ob Bedarf besteht, und übergibt qualifizierte Gespräche an die Person, die verkauft. Er schliesst selbst keine Aufträge ab und wird an qualifizierten Gesprächen gemessen, nicht am Umsatz. Anstellen lohnt sich bei laufendem Bedarf und genug Führungszeit. Auslagern lohnt sich, wenn Zielgruppe und Botschaft schon getestet sind und Sie schnell mehr Gespräche brauchen.
Konstantin Malt, Gründer von Malt Consulting
Konstantin MaltGründer Malt Consulting, BWL HSG, über 120 Projekte mit Schweizer KMU seit 2023. Stand 27. Oktober 2026.
Die Rolle

Was ein Sales Development Representative macht

Die Rolle stammt aus Software-Firmen in den USA. Dort wurde der Vertrieb in Abschnitte aufgeteilt. Eine Person erzeugt Gespräche, eine andere verkauft, eine dritte betreut bestehende Kunden. In Schweizer Stelleninseraten heisst die Rolle oft auch Business Development Representative, Inside Sales oder Akquisiteur. Die Aufgaben sind ähnlich.

  • Zielfirmen recherchieren nach einem festgelegten Kundenprofil.
  • Kontakt aufnehmen per Telefon, E-Mail und LinkedIn.
  • Anfragen nachgehen, die über Website oder Messen hereinkommen.
  • Qualifizieren, also prüfen, ob Bedarf, Zuständigkeit und Zeitrahmen passen.
  • Übergeben mit einer sauberen Notiz im CRM.
Abgrenzung

SDR, BDR, Appointment Setter und Verkäufer

RolleSchwerpunktGemessen an
Sales Development RepresentativeErstkontakt und Qualifizierung, oft auch eingehende AnfragenQualifizierte Gespräche
Business Development RepresentativeMeist reine Kaltakquise bei neuen Firmen. Die Begriffe werden aber uneinheitlich verwendetQualifizierte Gespräche aus Outbound
Appointment SetterVor allem Termine vereinbaren, weniger RechercheStattgefundene Termine
Account Executive oder VerkäuferBedarfsanalyse, Angebot, Verhandlung, AbschlussUmsatz und Abschlussquote

Wenn Sie vor allem Termine einkaufen wollen, lesen Sie den Ratgeber Appointment Setting. Diese Seite geht weiter und fragt, ob Sie die ganze Funktion aufbauen oder abgeben.

Kennzahlen

Woran Sie einen SDR messen

Ein SDR erzeugt Gespräche, keine Aufträge. Trotzdem sollte die Messung beim Geschäft enden, nicht bei der Aktivität. Bewährt hat sich eine kurze Kette von Kennzahlen.

  1. 01

    Kontaktierte Firmen

    Wie viele passende Firmen wurden pro Woche angesprochen?

  2. 02

    Gespräche

    Mit wie vielen kam ein echter Austausch zustande, am Telefon oder per Antwort?

  3. 03

    Qualifizierte Termine

    Wie viele erfüllten die vereinbarten Kriterien für einen guten Termin?

  4. 04

    Verkaufschancen

    Wie viele Termine wurden vom Verkauf als echte Chance übernommen?

  5. 05

    Aufträge und Pipeline-Wert

    Was ist aus den Chancen nach einigen Monaten geworden?

Öffnungsraten von E-Mails oder die Zahl der Anrufe sind als Steuerungsgrösse wenig wert. Sie lassen sich leicht erhöhen, ohne dass ein einziger Auftrag mehr entsteht.

Voraussetzungen

Wann eine SDR-Rolle überhaupt Sinn ergibt

01

Klarer Wunschkunde

Branche, Grösse, Region und Entscheider sind beschrieben und aus den besten bestehenden Kunden abgeleitet. Mehr dazu unter Ideal Customer Profile.

02

Getestete Botschaft

Sie wissen aus eigenen Gesprächen, welches Problem Ihre Kunden zum Reden bringt.

03

Jemand, der verkauft

Die Termine landen bei einer Person mit Zeit und Fähigkeit zum Abschluss.

04

Ausreichender Auftragswert

Der Deckungsbeitrag eines Auftrags trägt die Kosten mehrerer Gespräche.

05

Ein gepflegtes CRM

Ohne gemeinsame Datenbasis gehen Übergaben verloren. Siehe CRM für KMU.

06

Genug Markt

Es gibt genug passende Firmen, damit eine Person über Monate sinnvoll arbeiten kann.

Fehlen zwei oder mehr dieser Punkte, löst weder eine Anstellung noch ein Dienstleister das Problem. Dann ist der erste Schritt, die Grundlagen zu klären, oft gemeinsam mit dem Inhaber und mit einigen Dutzend selbst geführten Gesprächen.

Vergleich

Anstellen oder auslagern

Selbst anstellen passt, wenn

  • Sie über Jahre laufend neue Kunden brauchen.
  • Ihr Angebot erklärungsbedürftig ist und Fachwissen verlangt.
  • Sie Zeit für Einarbeitung und Führung haben.
  • Sie die Rolle als Einstieg in den Verkauf sehen und Nachwuchs aufbauen wollen.
  • Gesprächswissen und Kundendaten im Haus bleiben sollen.

Auslagern passt, wenn

  • Zielgruppe und Botschaft schon funktionieren und Sie mehr Volumen wollen.
  • Sie einen neuen Markt oder eine neue Region testen.
  • Der Bedarf zeitlich begrenzt ist.
  • Sie keine Kapazität für Führung haben.
  • Sie Erfahrung aus vielen Kampagnen nutzen wollen, statt selbst zu lernen.

Ein häufiger Irrtum ist, dass ein Dienstleister fehlende Klarheit ersetzt. Ein externes Team kann eine funktionierende Ansprache vervielfachen. Es kennt Ihre Kunden aber nie so gut wie Sie. Wer auslagert, weil intern niemand weiss, was man sagen soll, verschiebt das Problem.

Kosten

Womit Sie rechnen müssen

KostenblockEigene StelleDienstleister
Lohn oder HonorarJahreslohn plus Sozialabgaben des Arbeitgebers, oft mit variablem AnteilMonatspauschale, Preis pro Termin oder gemischt
RekrutierungInserat, Gespräche, eventuell PersonalvermittlungEntfällt
EinarbeitungMehrere Monate, bis die Person selbständig gute Gespräche führtKürzer, aber Briefing und Abstimmung nötig
Werkzeuge und DatenCRM-Lizenz, Telefonie, Kontaktdaten, VersandwerkzeugOft enthalten, Datenhoheit klären
FührungszeitWöchentliche Besprechungen, Gesprächsauswertung, CoachingWeniger, aber regelmässige Auswertung bleibt
Risiko bei AbgangWissen und Kontakte gehen mit, Suche beginnt neuKündigungsfrist im Vertrag

Löhne für die Schweiz lassen sich mit dem Lohnrechner Salarium des Bundesamts für Statistik nach Region, Branche und Ausbildung abschätzen. Rechnen Sie zum Bruttolohn die Arbeitgeberbeiträge an die Sozialversicherungen dazu. Angebote von Dienstleistern sollten Sie nur vergleichen, wenn klar ist, welche Leistung in der Pauschale steckt.

Unsere Sicht

Zuerst das System, dann die Person

In vielen Schweizer KMU ist die erste Frage nicht, wer telefoniert, sondern was die Ansprache begründet. Eine SDR-Stelle wird viel wirksamer, wenn sie nicht eine leere Liste abarbeiten muss, sondern jede Woche eine kleine Zahl von Firmen mit belegtem Anlass erhält, etwa einer Erweiterung, neuen Stellen oder einem Führungswechsel. Dazu gehören eine saubere technische Grundlage für E-Mails, ein CRM, das die Übergabe abbildet, und eine wöchentliche Auswertung.

Diese Grundlage lässt sich unabhängig davon aufbauen, ob später eine eigene Person oder ein Partner die Gespräche führt. Wie das geht, beschreiben wir unter Signal-based Outreach und GTM Engineering. Für die rechtliche Seite von E-Mails gilt die Seite Cold E-Mail in der Schweiz.

Häufige Fragen

Fragen zur SDR-Rolle

Was verdient ein Sales Development Representative in der Schweiz?

Eine verlässliche öffentliche Lohnstatistik nur für diese Rolle gibt es nicht. Eine erste Einschätzung liefert der Lohnrechner Salarium des Bundesamts für Statistik mit vergleichbaren Verkaufsfunktionen. Viele Stellen kombinieren einen Fixlohn mit einem variablen Anteil.

Wie lange dauert es, bis ein neuer SDR wirksam ist?

Rechnen Sie mit mehreren Monaten, bis die Person Ihr Angebot, Ihre Kunden und die typischen Einwände kennt. Bei erklärungsbedürftigen Leistungen dauert es länger.

Welche Sprachen braucht ein SDR in der Schweiz?

Für die Deutschschweiz gutes Deutsch und Verständnis für Mundart am Telefon. Wer auch die Romandie oder das Tessin bearbeitet, braucht Französisch oder Italienisch. Ein Dienstleister sollte sagen können, wer in welcher Sprache spricht.

Kann Software einen SDR ersetzen?

Teile davon lassen sich automatisieren, etwa Recherche, Datenpflege und das Finden von Anlässen. Das Gespräch, das Zuhören und das Urteil, ob eine Firma wirklich passt, bleiben menschliche Arbeit. Automatisierter Massenversand ist in der Schweiz zudem rechtlich heikel.

Wie teste ich ein ausgelagertes SDR-Team?

Mit einer Testphase von zwei bis drei Monaten, einer schriftlichen Definition eines qualifizierten Termins, Zugriff auf alle Gesprächsnotizen und einer Auswertung, die bis zu den Verkaufschancen reicht.

Quellen

Quellen

  • Bundesamt für Statistik, Lohnrechner Salarium auf Basis der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung, bfs.admin.ch
  • Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), Art. 3 Abs. 1 lit. o, u und v, fedlex.admin.ch
  • Schweizerische Lauterkeitskommission, Entscheid 172/20 zum Begriff der Massenwerbung

SDR anstellen oder erst das System klären?

Im Erstgespräch prüfen wir, ob Wunschkunde, Anlass und Botschaft schon so klar sind, dass eine eigene oder externe SDR-Rolle sich lohnt, oder was vorher fehlt.

Lieber direkt? +41 78 814 14 58 oder info@maltconsulting.ch

Stand: 27. Oktober 2026 · Malt Consulting, Winterthur