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Vertriebsautomatisierung (Sales Automation) für B2B-KMU, was sich lohnt

Kurz erklärtVertriebsautomatisierung, englisch Sales Automation, heisst, wiederkehrende Aufgaben im Verkauf von Software erledigen zu lassen. Typisch sind das Erfassen von Anfragen im CRM, Erinnerungen zum Nachfassen, Terminbuchung, Angebotsvorlagen und Berichte. Automatisieren lohnt sich bei Abläufen, die häufig vorkommen, immer gleich ablaufen und heute Zeit kosten oder vergessen gehen. Das Gespräch mit dem Kunden, die Einschätzung seiner Lage und die erste persönliche Nachricht bleiben besser beim Menschen.
Konstantin Malt, Gründer von Malt Consulting
Konstantin MaltGründer Malt Consulting, BWL HSG, über 120 Projekte mit Schweizer KMU seit 2023. Stand 27. Oktober 2026.
Reihenfolge

Erst der Prozess, dann die Software

Der häufigste Fehler bei der Vertriebsautomatisierung ist die Reihenfolge. Es wird ein Werkzeug gekauft und danach überlegt, was es tun soll. Das Ergebnis sind Abläufe, die einen unklaren Prozess schneller wiederholen, inklusive seiner Fehler.

Die bessere Reihenfolge hat drei Schritte. Zuerst wird der Verkaufsprozess beschrieben, mit Phasen, Übergaben und Verantwortlichen. Dann werden die Daten sauber gemacht, also ein CRM als einzige Quelle für Kontakte, Gespräche und Angebote. Erst danach wird automatisiert, und zwar zuerst die Abläufe, die am häufigsten vorkommen. Wie gemeinsame Begriffe und Kennzahlen dafür aussehen, beschreibt die Seite RevOps.

Einordnung

Was sich automatisieren lässt und was nicht

AufgabeAutomatisieren?Begründung
Anfrage aus dem Website-Formular ins CRM übernehmenJaImmer gleich, Fehler beim Abtippen entfallen
Anfrage einer verantwortlichen Person zuweisenJaKlare Regel nach Region, Branche oder Produkt
Erinnerung zum Nachfassen nach einem AngebotJaVerhindert vergessene Angebote
Terminbuchung über einen KalenderlinkJaSpart das Hin und Her per E-Mail
Wöchentlicher Pipeline-BerichtJaRechnet immer gleich, wenn die Daten stimmen
Firmendaten anreichern, etwa Grösse und BrancheTeilweiseHilfreich, aber Ergebnisse prüfen
Gesprächsnotizen zusammenfassenTeilweiseSpart Zeit, Aufnahme nur mit Einwilligung aller Beteiligten
Erste Nachricht an eine neue ZielfirmaNeinBraucht Einschätzung und echten Bezug, rechtlich heikel als Serie
Angebot inhaltlich ausarbeitenNeinVorlagen helfen, die Lösung muss zum Kunden passen
Preisverhandlung und EinwändeNeinGehört ins persönliche Gespräch
Abläufe

Zehn Automatisierungen mit Auslöser und Aktion

AuslöserAktion
Formular auf der Website ausgefülltKontakt und Firma im CRM anlegen, Eingangsbestätigung senden, verantwortliche Person informieren
Neue Anfrage seit vier Arbeitsstunden ohne ReaktionErinnerung an die verantwortliche Person, danach an die Vertretung
Termin über Kalenderlink gebuchtChance im CRM anlegen, Bestätigung mit Vorbereitungsfragen senden
Phase auf «Angebot versendet» gesetztAufgabe zum Nachfassen in vier Werktagen anlegen
Angebot seit 21 Tagen ohne EntscheidAufgabe für eine Abschlussfrage, Hinweis im Wochenbericht
Phase auf «Verloren» gesetztVerlustgrund als Pflichtfeld, Wiedervorlage in sechs Monaten
Phase auf «Gewonnen» gesetztÜbergabe an Projektleitung mit allen Gesprächsnotizen
Projekt abgeschlossenAufgabe für ein Abschlussgespräch und die Frage nach einer Referenz
Kunde seit zwölf Monaten ohne AuftragAufgabe für einen persönlichen Kontakt
Jeden MontagBericht mit neuen Chancen, offenen Angeboten und überfälligen Aufgaben

Auffällig ist, dass die meisten dieser Abläufe keine Nachricht an Kunden schicken, sondern Aufgaben für Menschen erzeugen. Das ist bewusst so. Die Automatisierung sorgt dafür, dass nichts vergessen geht, die Nachricht selbst bleibt persönlich. Vorlagen für solche Nachrichten stehen auf der Seite Follow-up E-Mail. Zeiten und Fristen sind Beispiele.

Werkzeuge

Welche Arten von Software es gibt

CRM

Das Fundament

Kontakte, Firmen, Chancen, Aufgaben und einfache Abläufe. Verbreitete Systeme wie HubSpot, Pipedrive oder Microsoft Dynamics bringen eigene Automatisierungen mit.

Termine

Kalenderbuchung

Interessenten wählen selbst einen freien Termin. Oft im CRM enthalten oder als eigenes Werkzeug.

Verbindung

Integrationsplattformen

Verbinden Website, CRM, Buchhaltung und andere Systeme, wenn diese nicht direkt miteinander sprechen.

Daten

Anreicherung

Ergänzen Firmendaten und erkennen Anlässe wie Stelleninserate. Die Grundlage für GTM Engineering.

Sequenzen

E-Mail-Abfolgen

Versenden mehrere Mails nach Zeitplan. In der Schweiz bei kalten Kontakten rechtlich heikel, mehr unter Cold E-Mail Schweiz.

KI

Sprachmodelle

Fassen Notizen zusammen, entwerfen Texte, werten Websites aus. Nützlich als Entwurf, jede Aussage über einen Kunden braucht eine Prüfung.

Die genannten Systeme sind Beispiele, keine Empfehlung. Für ein KMU reicht meist ein gut eingerichtetes CRM mit seinen eigenen Abläufen. Zusätzliche Werkzeuge lohnen sich erst, wenn ein Ablauf bewiesen ist und das CRM ihn nicht abbilden kann.

Recht

Was in der Schweiz zu beachten ist

E-Mail-Werbung. Das UWG verlangt für Massenwerbung per E-Mail grundsätzlich eine Einwilligung. Laut Lauterkeitskommission kommt es für den Begriff der Massenwerbung auf die Automatisierung des Versands an, nicht allein auf die Zahl. Automatisch versendete Serien an kalte Adressen sind deshalb heikel.

Datenschutz. Das Datenschutzgesetz verlangt, dass Personendaten nur für einen erkennbaren Zweck bearbeitet werden. Werden Daten an Software im Ausland übermittelt, ist zu prüfen, ob das Land ein angemessenes Schutzniveau hat oder vertragliche Garantien bestehen.

Gesprächsaufnahmen. Wer Telefonate oder Videogespräche aufzeichnet, um sie automatisch zusammenzufassen, braucht die Einwilligung aller Beteiligten. Das unbefugte Aufnehmen fremder Gespräche ist nach Art. 179ter StGB strafbar. Diese Hinweise ersetzen keine Rechtsberatung.

Nutzen

Lohnt sich die Automatisierung? Eine einfache Rechnung

Bevor ein Ablauf automatisiert wird, lohnt sich eine kurze Rechnung. Jährlicher Nutzen = eingesparte Stunden pro Woche × Arbeitswochen × Stundensatz + Wert der Aufträge, die heute durch Vergessen verloren gehen. Dem gegenüber stehen die Kosten für Einrichtung, Lizenzen und Pflege.

Ein Rechenbeispiel mit angenommenen Werten. Drei Personen im Verkauf sparen je eine Stunde pro Woche, weil Anfragen automatisch erfasst und Nachfass-Aufgaben automatisch angelegt werden. Bei 45 Arbeitswochen und CHF 100 pro Stunde sind das CHF 13'500 pro Jahr. Geht zusätzlich nur ein Auftrag weniger verloren, steigt der Nutzen deutlich. Der zweite Teil der Rechnung ist schwer zu messen, darum lohnt sich ein Vorher-nachher-Vergleich.

Messbar sind vor allem drei Werte. Reaktionszeit = durchschnittliche Stunden bis zur ersten persönlichen Antwort auf eine Anfrage. Nachfassquote = Angebote mit Nachfassen innerhalb der Frist / versendete Angebote. Datenqualität = Chancen mit vollständigen Pflichtfeldern / alle Chancen. Wird einer dieser Werte nach der Einführung nicht besser, stimmt meist der Prozess noch nicht.

Einführung

In vier Schritten einführen

  1. Abläufe sammeln

    Zwei Wochen lang notieren, welche Routineaufgaben im Verkauf anfallen, wie oft und wie lange sie dauern.

  2. Einen Ablauf auswählen

    Den häufigsten und klarsten zuerst, meist die Erfassung von Anfragen oder das Nachfassen nach Angeboten.

  3. Einrichten und testen

    Im CRM einrichten, mit echten Fällen testen, das Team kurz schulen. Ausnahmen festhalten.

  4. Messen und erweitern

    Nach einem Monat die Kennzahlen vergleichen. Erst dann den nächsten Ablauf angehen.

Häufige Fragen

Fragen zur Vertriebsautomatisierung

Was ist Vertriebsautomatisierung?

Der Einsatz von Software, um wiederkehrende Aufgaben im Verkauf zu erledigen, etwa das Erfassen von Anfragen, Erinnerungen, Terminbuchung, Vorlagen und Berichte. Ziel ist mehr Zeit für Gespräche und weniger vergessene Chancen.

Ersetzt Sales Automation Verkäufer?

Nein. Sie nimmt Routine ab. Bedarf klären, Vertrauen aufbauen, ein passendes Angebot entwickeln und verhandeln bleiben Aufgaben von Menschen, gerade im B2B mit grösseren Aufträgen.

Welche Software brauche ich für den Anfang?

Meist reicht ein CRM mit eingebauten Abläufen und eine Kalenderbuchung. Weitere Werkzeuge lohnen sich erst, wenn ein Ablauf bewiesen ist und das CRM ihn nicht abbilden kann.

Darf ich in der Schweiz E-Mails automatisch an Interessenten senden?

An Personen, die eingewilligt haben oder mit denen eine Geschäftsbeziehung besteht, unter Bedingungen ja. An kalte Kontakte ist automatisierter Versand heikel, weil das UWG für Massenwerbung grundsätzlich eine Einwilligung verlangt. Im Zweifel juristisch abklären.

Wie viel Zeit spart Vertriebsautomatisierung?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Es hängt davon ab, wie viele Routineaufgaben heute anfallen. Wer zwei Wochen lang seine Aufgaben notiert, kann den Nutzen vor der Einführung recht genau schätzen.

Quellen

Grundlagen dieser Seite

  • Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), Art. 3 Abs. 1 lit. o, fedlex.admin.ch
  • Schweizerische Lauterkeitskommission, Entscheid 172/20 zum Begriff der Massenwerbung
  • Bundesgesetz über den Datenschutz (DSG), fedlex.admin.ch
  • Schweizerisches Strafgesetzbuch, Art. 179ter, Unbefugtes Aufnehmen von Gesprächen, fedlex.admin.ch
  • Fristen und Rechenbeispiel sind Annahmen zur Veranschaulichung

Wo verliert Ihr Vertrieb heute Zeit mit Routine?

Im Erstgespräch schauen wir, welche Abläufe in Ihrem Vertrieb sich wiederholen, welche davon sich sauber im CRM automatisieren lassen und wo der persönliche Kontakt bleiben sollte.

Lieber direkt? +41 78 814 14 58 oder info@maltconsulting.ch

Stand: 27. Oktober 2026 · Malt Consulting, Winterthur